Die Rittergüter
In Strahwalde befinden sich zwei Rittergüter, Ober- und Niederstrahwalde, von welchen das erstere etwas kleiner ist als das andere.
Oberstrahwalde hat 76 Häuser mit 500 Einwohnern und Niederstrahwalde 100 Häuser mit 700 Bewohnern.
Ausserdem gehören noch zu jedem der beiden Dörfer einige kleine Ortsteile, nämlich Friedensthal, der alte Zuckmantel und der neue Zuckmantel, ein kleines, 1770
vom Grafen Hrzan gegründetes Dörfchen. Zu Oberstrahwalde gehören bedeutende Waldstrecken, auch hat der Ort recht beträchtliche Teiche.
Am Fusse des Lehmannsberges, sowie an der Kunnersdorfer Grenze, auf dem sogenannten Lehden, befinden sich zwei
treffliche Brunnen, welche durch eine Röhrenleitung Herrnhut mit Wasser versorgen.
Die beiden Rittergüter waren in frühster Zeit vereinigt und zwar gehörte das Gut
am Anfange des 16.Jahrhunderts dem adligen Geschlecht "von Klüx". Zuerst wird
1528 Heinrich v.Klüx, Hofrichter zu Löbau, genannt, dem Wolf Joachim, Hans und
endlich Caspar von Klüx folgten, welcher 1635 auf gewaltsame Art seinen Tod
fand.
Zu dieser Zeit geschah die Teilung des Rittergutes in den oberen und niederen
Teil, denn 1637 gehörte Oberstrahwalde Friedrich von Rodewitz, der es Joachim
von Schilling überliess. Zwischen 1652 und 1654 kaufte das Gut Adolf von Kyau,
der vorher Kemnitz besessen hatte Vater von nicht weniger als siebzehn Kindern
war, die alle in den Freiherrenstand erhoben wurden und zum Teil hohe
Staatswürden erlangten. Nach des Vaters Tode erbte 1677 das Gut Adam Joachim v.
Kyau, ein frommer, edler Mann, der die hiesige Kirche fast ganz auf eigene
Kosten neu aufbaute und 1707 mit Tode abging. Das Gut stand jetzt mehrere Jahre
unter vormundschaftlicher Verwaltung des Herrn v. oberländer auf Reichenbach,
worauf es sein Mündel, August Leopold v. Kyau und nach dessen Tod 1740 sein
Bruder Carl Luwig v. Kyau, übernahm. Ein dritter Bruder war der bekannte witzige
Genaral v. Kyau, Commandant der festung Königsstein. Seine Witwe behielt das gut
noch bis 1769, wo es Graf Xaver v. Hrzan und Harras, erkaufte, von dem es an
seinen Neffen, Johann Anton Ludwig v. Lenz gelangte. Von ihm erkaufte Strahwalde
Herr Carl August Reichel, Kauf- und Handelsherr zu Löbau.
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Das Rittergut Niederstrahwalde gelangte nach dem Tode Caspars v. Klüx an dessen
Schwiegersohn Caspar v. Bock, nach dessen Tode es einige Jahre im Besitz dessen
Witwe blieb, die 1657 starb. Die nächsten Besitzer waren aus der Familie v.
Rabenau. Nach diesen kaufte das Gut der Besitzer von Oberstrahwalde, August
Leopolde v. Kyau der beide Güter auf seinen Bruder, dessen Witwe,
Niederstrahwalde an Christoph Traugott v. Burgsdorf verkaufte. Nach den herren
v. Burgsdorf findet sich als Besitzer Johann Ernst v. Gersdorf, der 1769 das Gut
der Gräfin Agnes Sophie v. Reuss überliess, die 1791 starb. Ihr folgten Graf
Heinrich XXVIII.v. Reuss und Friedrich Rudolf, Freiherr v. Wattwille und dessen
Witwe. Das Gut gelangte 1812 an Christian Friedrich v. Göttlich.
Im Rittergut zu Niederstrahwalde befindet sich das eigentliche, bis zum 16.
Jahrhundert hinreichende Ortsarchiv.
(Quelle:
"Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen" -
III.Section-Markgrafenthum Oberkausitz - von G.A. Poenicke um 1854-1861)
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