Geschichten aus dem Ort
Die Ortsgeschichte erzählt mancherlei harte Schicksale, von denen hauptsächlich
eine entsetzliche Pest (1625) zu erwähnen ist, die Strahwalde fast gänzlich entvölkerte und in dem nahen Kunnersdorf
alle Einwohner, bis auf einen einzigen Mann, vertilgt haben soll. Noch jetzt zeigt man die Stätte, wo das Pestkrankenhaus stand
und die unglücklichen Opfer der Seuche ihr Grab fanden.
In der jetzt sogenannten Dörfelbrache, an der Obercunnersdorfer Grenze, stand vor Zeiten das Dorf Rothdörfel, von dem ausser
einigen ausgetrockneten Teichen und den Spuren einer Mühle kein Stein mehr vorhanden ist. Wahrscheinlich verschwand das Dorf
im Hussitenkriege - eine Urkunde darüber ist nicht mehr vorhanden.
Im Jahre 1724 zündete eine Magd aus Rache den Niederstrahwalder Herrenhof an und fand ihren Tod auf dem Scheiterhaufen.
1815 brannten in Niederstrahwalde zwei Gehöfte nieder und 1820 zündete wiederum den Niederstrahwalder Hof ein hiesiger Einwohner an,
der dafür auf dem Schafott sterben musste. In der Nacht vom 5. zum 6. Juli 1840 brannte in Oberstrahwalde der Gasthof ab,
bei welchem Unglück der Fuhrmann Wersig aus Condorf samt seinen vier Pferden und dem reichbeladenen Frachtwagen in Asche verwandelt wurden.
Ende des 18. Jahrhunderts entstand an der Kunnersdorfer Strasse ein neues Dörfchen, Johannisdörfel genannt, und zwar da, wo jetzt der Weg
von der Strasse in das Kirchbüschel führt. Die Herrschaft beabsichtigte damals ein Vorwerk hierher zu bauen, gab aber später diesen
Plan wieder auf. Nach einer Volkssage soll nach einer pestartigen Seuche die Herrschaft das Dorf wieder mit Böhmen bevölkert haben,
wahrscheinlich protestantische Exulanten, die Kaiser Ferdinand aus ihrem Vaterlande vertrieb.

Der Einfall König Carls XII. v. Schweden brachte auch nach Strahwalde manches Drangsal, härter aber traf den Ort
die Einquartierung im Winter 1757, Teurung und Krankheit. Im Jahre 1813 fanden hier viele Durchmärsche statt und nach der
Bautzner Schlacht wurden die Einwohner oft von russischen und preussischen Streifcrps heimgesucht, während des Waffenstillstandes
aber bivouaquierten hier Polen. Als bei dem Einrücken der Alliirten aus Böhmen, Marschal Victor von Napoleon zurückberufen worden war,
bivouaquierte dieser Feldherr mit seinem ganzen Corps einen Tag und eine Nacht in Strahwalde, wobei das Dorf in grosser Feuersgefahr schwebte.
Später fielen in der Nähe bisweilen kleine Gefechte vor, bei welcher Gelegenheit die Polen eine Batterie auf einer Höhe bei Strahwalde
errichteten, um den Ort in brand zu schiessen. Eine Absicht, die durch eine kühnen Anfall russischer Cavallerie vereitelt wurde. ....
(Quelle: "Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen" -
III.Section-Markgrafenthum Oberkausitz - von G.A. Poenicke um 1854-1861)
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